Schielen bei Kindern: Ursachen, Diagnose und moderne Behandlungsmöglichkeiten

7 Min. Lesezeit · Aktualisiert 2026-10-24

Schielt Ihr Kind, ist das keine Schönheitsfrage. Wenn die Augen nicht gemeinsam arbeiten, kann sich das Sehen eines Auges nicht richtig entwickeln. Die gute Nachricht: Schielen bei Kindern lässt sich heute gut abklären und behandeln. Hier erklären wir Ursachen, Untersuchung und die Behandlungsschritte – von der Brille bis zur Operation, wenn sie sinnvoll ist.

Orthoptistin führt bei einem Mädchen in der Sehschule einen Abdecktest mit Augenabdecker und Fixierfigur durch, um Schielen zu erkennen

Was ist Schielen (Strabismus)?

Beim Schielen zeigen die beiden Augen nicht gleichzeitig auf denselben Punkt. Ein Auge blickt auf das Ziel, das andere weicht ab. Das Gehirn erhält zwei unterschiedliche Bilder. Erwachsene sehen dann doppelt; Kinder lernen stattdessen, das Bild des abweichenden Auges zu unterdrücken. Bleibt das über längere Zeit so, wird dieses Auge schwachsichtig und das räumliche Sehen entwickelt sich nicht vollständig.

Schielen kann ständig vorhanden sein oder nur zeitweise auftreten, etwa bei Müdigkeit, Krankheit oder beim Blick in die Ferne. Bei Babys sehen die Augen wegen eines breiten Nasenrückens manchmal nur scheinbar schief aus. Wie Sie das in den ersten Lebensmonaten unterscheiden, lesen Sie im Ratgeber Schielen bei Babys erkennen.

Die häufigsten Formen bei Kindern

  • Innenschielen (Esotropie): Ein Auge weicht zur Nase hin ab. Es tritt oft im Kleinkindalter auf und hängt häufig mit Weitsichtigkeit zusammen.
  • Aussenschielen (Exotropie): Ein Auge weicht zur Schläfe hin ab, oft nur zeitweise – zum Beispiel bei Müdigkeit oder beim Blick in die Ferne.
  • Höhenschielen: Ein Auge steht höher oder tiefer als das andere; manchmal hält das Kind dabei den Kopf schief.
  • Mikroschielen: Ein sehr kleiner Schielwinkel, der von aussen nicht sichtbar ist, aber zu einer Schwachsichtigkeit führen kann.
  • Lähmungsschielen: Selten; entsteht, wenn ein Augenmuskel oder sein Nerv nicht richtig funktioniert, und tritt meist plötzlich auf.

Ursachen: Warum schielen Kinder?

Oft lässt sich keine einzelne Ursache finden. Bekannt sind jedoch einige Faktoren, die Schielen begünstigen:

  • Weitsichtigkeit: Das Auge muss stark nachstellen, um scharf zu sehen. Diese Anstrengung kann ein Innenschielen auslösen.
  • Familiäre Veranlagung: Schielen oder eine starke Brille bei Eltern oder Geschwistern erhöhen die Wahrscheinlichkeit.
  • Frühgeburt sowie bestimmte neurologische Erkrankungen oder Entwicklungsverzögerungen.
  • Ein Auge, das deutlich schlechter sieht, etwa wegen einer grossen Fehlsichtigkeit.
  • Selten Augenerkrankungen wie eine angeborene Linsentrübung oder eine Erkrankung der Netzhaut.

Symptome: Woran Eltern Schielen erkennen

  • Ein Auge weicht sichtbar ab – dauerhaft oder immer wieder, oft auf Fotos besonders deutlich.
  • Ihr Kind kneift in hellem Sonnenlicht ein Auge zu.
  • Es hält den Kopf schief oder dreht ihn, um besser zu sehen.
  • Ältere Kinder berichten von Doppelbildern oder verschwommenem Sehen.
  • Ihr Kind wirkt beim Greifen, Fangen oder auf Treppen unsicher oder ermüdet rasch beim Lesen.

Wichtig: Kleine Schielwinkel sind von aussen oft nicht zu erkennen. Deshalb ist eine Untersuchung in der Sehschule auch dann sinnvoll, wenn die Augen gerade wirken, aber andere Warnzeichen bestehen. Weitere Anzeichen finden Sie im Artikel Sehschwäche bei Kindern früh erkennen. Tritt ein Schielen plötzlich auf oder kommen Doppelbilder, Kopfschmerzen oder Übelkeit dazu, melden Sie sich bitte noch am selben Tag.

Diagnose: So untersuchen wir Schielen bei Kindern

Orthoptische Untersuchung in der Sehschule

Beim Abdecktest deckt die Orthoptistin abwechselnd ein Auge ab, während Ihr Kind eine kleine Figur anschaut. Bewegt sich das freie Auge, um das Ziel aufzunehmen, liegt ein Schielen vor. Mit Prismen wird der Schielwinkel gemessen. Zudem prüft sie die Augenbewegungen in alle Richtungen und das räumliche Sehen. Den Ablauf beschreibt der Ratgeber Sehschule: was Eltern erwartet.

Messung der Brillenstärke mit Augentropfen

Pupillenerweiternde Tropfen entspannen die Nahanpassung des Auges. Nur so wird eine versteckte Weitsichtigkeit vollständig sichtbar – eine häufige Ursache für Innenschielen.

Augenärztliche Untersuchung

Der Augenarzt untersucht den vorderen Augenabschnitt, die Netzhaut und den Sehnerv. Damit wird ausgeschlossen, dass eine Augenerkrankung hinter dem Schielen steckt. Bei plötzlich aufgetretenem Schielen oder Begleitsymptomen veranlassen wir bei Bedarf weitere Abklärungen, zum Beispiel in der Kinderneurologie.

Behandlung: moderne Therapie Schritt für Schritt

Die Behandlung verfolgt drei Ziele: gutes Sehen auf beiden Augen, möglichst gerade Augen und – wenn erreichbar – gemeinsames, räumliches Sehen. Welche Schritte nötig sind, hängt von der Schielform und dem Alter Ihres Kindes ab.

Schritt 1: Die richtige Brille

Ist eine Fehlsichtigkeit vorhanden, wird sie zuerst ausgeglichen. Bei einem Innenschielen durch Weitsichtigkeit kann die Brille das Schielen bereits deutlich verringern oder ganz beheben – vorausgesetzt, sie wird konsequent den ganzen Tag getragen. Tipps zur Auswahl finden Sie im Ratgeber Kinderbrille.

Schritt 2: Schwachsichtigkeit behandeln

Sieht das schielende Auge schwächer, wird das bessere Auge für einen Teil des Tages abgeklebt (Okklusion) oder mit speziellen Augentropfen vorübergehend unscharf gestellt. Wie viele Stunden täglich und wie lange, legen wir individuell fest und passen es bei jeder Kontrolle an. Mehr dazu im Artikel Amblyopie.

Prismen und Übungen in ausgewählten Fällen

Prismengläser können bei bestimmten Schielformen oder Doppelbildern helfen. Orthoptische Übungen sind vor allem bei einer Schwäche des Zusammenführens der Augen in der Nähe nützlich; ein ständiges Schielen lässt sich durch Übungen allein in der Regel nicht beheben.

Schieloperation, wenn sie sinnvoll ist

Bleibt trotz Brille und Sehschulbehandlung ein deutlicher Schielwinkel bestehen, kann eine Operation sinnvoll sein. Dabei werden äussere Augenmuskeln an der Oberfläche des Auges versetzt oder gestrafft; das Auge selbst wird nicht eröffnet. Der Eingriff erfolgt bei Kindern in Vollnarkose und meist ohne längeren Spitalaufenthalt. In ausgewählten Fällen kommt auch eine Injektion von Botulinumtoxin in einen Augenmuskel infrage.

Eine Operation ersetzt weder Brille noch Behandlung der Schwachsichtigkeit; beides läuft danach weiter. Manchmal ist im Verlauf ein zweiter Eingriff nötig. Wir besprechen mit Ihnen, ob und wann eine Operation sinnvoll ist, und begleiten Ihr Kind vor und nach dem Eingriff.

Warum eine frühe Behandlung so wichtig ist

Schielen wächst sich in der Regel nicht aus. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser kann sich das Sehen des betroffenen Auges entwickeln, solange die Sehbahn noch formbar ist. Zudem verbessert eine frühe Behandlung die Chancen auf räumliches Sehen. Gerade stehende Augen sind ausserdem für das Selbstbewusstsein vieler Kinder wichtig.

Tipps für Eltern während der Therapie

  • Planen Sie die Abklebezeit bei Lieblingsbeschäftigungen wie Malen, Puzzeln oder Vorlesen ein.
  • Loben Sie Ihr Kind und halten Sie Fortschritte gemeinsam fest, zum Beispiel mit einem Stickerheft.
  • Informieren Sie Spielgruppe, Kita oder Schule über Brille und Pflaster.
  • Achten Sie auf einen guten Sitz der Brille und lassen Sie verbogene Fassungen rasch richten.
  • Halten Sie die Kontrolltermine ein – die Therapie wird laufend angepasst.

Häufige Fragen zum Thema

Wächst sich Schielen bei Kindern aus?

Nach den ersten Lebensmonaten in der Regel nicht. Ein Schielen, das länger besteht oder neu auftritt, sollte immer kinderaugenärztlich abgeklärt werden, damit sich keine Schwachsichtigkeit entwickelt.

Ab welchem Alter kann Schielen behandelt werden?

Untersuchung und Behandlung sind bereits bei Babys möglich. Brille und Okklusion beginnen, sobald der Befund feststeht. Der Zeitpunkt einer allfälligen Operation wird individuell festgelegt.

Kann eine Brille Schielen heilen?

Bei einem Innenschielen, das durch Weitsichtigkeit entsteht, kann die Brille das Schielen beheben, solange sie getragen wird. Bei anderen Schielformen ist sie meist ein wichtiger Teil, aber nicht die ganze Behandlung.

Wie lange muss mein Kind ein Auge abkleben?

Das ist sehr individuell und hängt von Alter, Ausmass der Schwachsichtigkeit und Fortschritt ab. Die Dauer wird bei jeder Kontrolle in der Sehschule neu angepasst.

Ist eine Schieloperation bei Kindern riskant?

Es handelt sich um einen häufig durchgeführten, etablierten Eingriff an den äusseren Augenmuskeln. Wie bei jeder Operation gibt es Risiken; diese besprechen der Augenarzt und das Operationsteam vorab ausführlich mit Ihnen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Medizinisch notwendige Untersuchungen und Behandlungen beim Augenarzt und in der Sehschule sind Leistungen der Grundversicherung. Details wie Franchise und Selbstbehalt richten sich nach Ihrer Versicherung.

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Sie möchten Ihr Kind untersuchen lassen?

Wir nehmen uns Zeit für Kinder jeden Alters – Sehschule an jedem Werktag in Glattpark (Opfikon), wenige Minuten von Zürich.