Amblyopie: Schwachsichtigkeit früh erkennen

6 Min. Lesezeit · Aktualisiert 2026-08-18

Bei der Amblyopie ist ein Auge gesund, sieht aber trotzdem schlecht, weil das Gehirn gelernt hat, sein Bild zu ignorieren. Rund drei von hundert Kindern sind betroffen – und fast keines merkt etwas davon.

Mädchen mit Augenpflaster spielt bei der Amblyopie-Behandlung mit Bauklötzen neben der Kinderaugenärztin

Wie eine Schwachsichtigkeit entsteht

Sehen wird in den ersten Lebensjahren gelernt. Damit sich die Sehbahn normal entwickelt, muss jedes Auge ein scharfes Bild liefern. Erhält ein Auge dauerhaft ein unscharfes oder abweichendes Bild, unterdrückt das Gehirn dieses Bild – die entsprechenden Verbindungen bleiben unterentwickelt.

  • Schielen: das Bild des abweichenden Auges wird unterdrückt.
  • Unterschiedliche Brillenstärken beider Augen (Anisometropie) – die häufigste und unauffälligste Ursache.
  • Starke Weit- oder Kurzsichtigkeit sowie ausgeprägte Hornhautverkrümmung auf beiden Augen.
  • Sichtbehinderungen wie hängendes Lid, angeborene Linsentrübung oder Hornhauttrübung.

Warum sie so oft übersehen wird

Ein Kind mit einseitiger Amblyopie sieht mit dem gesunden Auge normal und verhält sich völlig unauffällig. Es klagt nicht, weil ihm nichts fehlt – der Eindruck beider Augen zusammen bleibt scharf. Auch Sehtests, bei denen beide Augen offen sind, fallen normal aus.

Deshalb ist die Untersuchung mit einzeln abgedeckten Augen unverzichtbar. Nur so wird ein Unterschied zwischen den Augen sichtbar – und darum empfehlen wir eine Kontrolle im Alter von zwei bis drei Jahren auch ohne jeden Verdacht.

Diese Beobachtungen sind ein Hinweis

  • Das Kind wehrt sich, wenn ein bestimmtes Auge abgedeckt wird.
  • Es hält den Kopf schief oder geht sehr nah heran.
  • Ein Auge weicht ab, auch nur zeitweise.
  • Unsicherheit beim Treppensteigen, Ballspiel oder Greifen.
  • In der Familie sind Schielen, Amblyopie oder starke Brillenwerte bekannt.

Abklärung in der Praxis

Die Sehschärfe wird für jedes Auge einzeln geprüft, ergänzt durch Abdecktest, Prüfung des räumlichen Sehens und die Messung der Brillenstärke nach Tropfen. Die augenärztliche Untersuchung schliesst Ursachen wie Linsentrübung oder Netzhauterkrankungen aus. Erst dann steht fest, welche Form von Amblyopie vorliegt und wie behandelt wird.

Behandlung: Brille zuerst, dann Okklusion

Am Anfang steht immer die vollständige Korrektur der Fehlsichtigkeit mit einer genau angepassten Kinderbrille. Allein damit verbessert sich die Sehschärfe bei vielen Kindern über Wochen bis Monate deutlich.

Reicht das nicht, wird das bessere Auge stundenweise abgeklebt, damit das schwächere arbeiten muss. Wie viele Stunden nötig sind, richtet sich nach Alter und Ausmass und wird in der Sehschule regelmässig überprüft. Alternativ kann das bessere Auge mit Tropfen vorübergehend unscharf gestellt werden.

Wichtig ist Konsequenz: Die Behandlung wirkt nur, wenn sie im Alltag durchgehalten wird. Ein Kalender mit Stickern, feste Zeiten und attraktive Beschäftigungen während des Abklebens helfen erfahrungsgemäss mehr als Ermahnungen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Meist über Monate bis Jahre, mit Kontrollen in der Sehschule. Nach Erreichen einer guten Sehschärfe folgt eine Erhaltungsphase mit reduziertem Abkleben, damit das Ergebnis stabil bleibt. Behandlungen, die vor dem Schuleintritt beginnen, haben die besten Aussichten; ab etwa acht Jahren sind Fortschritte nur noch begrenzt möglich.

Häufige Fragen zum Thema

Kann eine Amblyopie auch bei Erwachsenen behandelt werden?

Nur sehr eingeschränkt. Die Sehbahn ist ab etwa acht Jahren weitgehend ausgereift. Eine Brille verbessert dann die Abbildung, die im Gehirn verankerte Sehschwäche bleibt jedoch meist bestehen.

Muss mein Kind den ganzen Tag abkleben?

Nein. Vorgegeben wird eine bestimmte Stundenzahl pro Tag, abhängig von Alter und Ausmass der Schwachsichtigkeit. Diese wird bei den Kontrollen laufend angepasst.

Hilft eine Brille allein gegen Amblyopie?

Häufig ja, besonders wenn unterschiedliche Brillenstärken die Ursache sind. Erst wenn die Sehschärfe unter der Brille nicht ausreichend zunimmt, kommt zusätzlich die Okklusion dazu.

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