Wann sollte mein Kind zum Augenarzt?
6 Min. Lesezeit · Aktualisiert 2026-08-18
Kinder sagen fast nie, dass sie schlecht sehen – sie kennen es nicht anders. Deshalb entscheidet der richtige Zeitpunkt der ersten Augenuntersuchung mit darüber, wie gut sich das Sehen entwickelt. Hier finden Sie die empfohlenen Zeitpunkte, die wichtigsten Warnzeichen und den Ablauf bei uns in Glattpark (Opfikon).

Die empfohlenen Zeitpunkte auf einen Blick
Die Sehentwicklung ist etwa bis zum achten Lebensjahr formbar. Was in dieser Zeit nicht gelernt wird, lässt sich später kaum nachholen. Aus diesem Grund gibt es klare Zeitfenster, in denen eine augenärztliche Kontrolle sinnvoll ist – auch bei völlig unauffälligen Kindern.
- In den ersten Lebenswochen: bei Frühgeburt, familiärem Schielen, starken Fehlsichtigkeiten oder Augenerkrankungen in der Familie.
- 6. bis 12. Lebensmonat: wenn Ihnen an Augenstellung, Blickverhalten oder Pupillen etwas auffällt.
- 2. bis 3. Lebensjahr: die erste vollständige Augenuntersuchung für jedes Kind, auch ohne Beschwerden.
- Vor dem Kindergarten- oder Schuleintritt: Kontrolle von Sehschärfe, beidäugigem Sehen und Brillenstärke.
- Jederzeit sofort: bei plötzlichem Schielen, weisser Pupille, Augenzittern, Verletzung oder rascher Sehverschlechterung.
Warnzeichen bei Babys und Kleinkindern
Sehr kleine Kinder können nicht beschreiben, was sie sehen. Umso wichtiger ist Ihre Beobachtung im Alltag. Melden Sie sich, wenn Ihnen eines dieser Zeichen auffällt – eine Abklärung ist schmerzfrei und dauert nicht lange.
- Ein Auge weicht nach innen oder aussen ab, dauerhaft oder immer wieder.
- Das Kind hält den Kopf schief oder dreht ihn auffällig, um etwas zu fixieren.
- Die Augen zittern oder folgen einem Gegenstand nicht gleichmässig.
- Ein Lid hängt tiefer als das andere und verdeckt die Pupille.
- Auf Fotos leuchtet nur eine Pupille rot, die andere wirkt weisslich oder grau.
- Ständig tränende, verklebte oder auffällig lichtempfindliche Augen.
Warnzeichen bei Kindergarten- und Schulkindern
Im Kindergarten- und Schulalter zeigen sich Sehprobleme oft im Verhalten und nicht in Klagen über die Augen. Nicht selten wird zuerst an Konzentration oder Lesefähigkeit gedacht, obwohl die Ursache im Sehen liegt.
- Sehr nahes Herangehen an Buch, Heft oder Bildschirm.
- Zusammenkneifen der Lider, häufiges Blinzeln oder Augenreiben.
- Kopfschmerzen oder brennende Augen nach dem Lesen und Rechnen.
- Zeilen werden beim Lesen verloren, Buchstaben verdreht oder ausgelassen.
- Schwierigkeiten beim Abschreiben von der Wandtafel.
- Ungeschicklichkeit beim Ballspiel oder beim Einschätzen von Distanzen.
Was bei der ersten Untersuchung passiert
Eine vollständige Kinderaugenuntersuchung dauert bei uns je nach Alter 45 bis 90 Minuten. Wir erklären jeden Schritt kindgerecht und lassen Ihrem Kind Zeit – nichts davon tut weh.
Zur Untersuchung gehören ein altersgerechter Sehtest, die orthoptische Prüfung von Augenstellung, Augenbewegungen und räumlichem Sehen, die berührungslose Messung der Brillenstärke – bei den Kleinsten mit dem Plusoptix-Kinderrefraktometer aus rund einem Meter Distanz – sowie die augenärztliche Beurteilung des vorderen Augenabschnitts und des Augenhintergrunds.
Häufig sind Augentropfen nötig, welche die Pupille erweitern und die Naheinstellung vorübergehend ausschalten. Nur so lässt sich die Brillenstärke bei Kindern zuverlässig bestimmen. Danach sieht Ihr Kind einige Stunden in der Nähe unscharf und ist lichtempfindlich – bringen Sie Sonnenbrille und Mütze mit und planen Sie den Nachmittag ruhig.
So bereiten Sie den Termin vor
- Versichertenkarte, allfällige Zuweisung und frühere Berichte mitbringen.
- Aktuelle Brille oder Kontaktlinsen nicht vergessen.
- Ein Lieblingsspielzeug hilft bei jüngeren Kindern.
- Einen Zeitpunkt wählen, an dem Ihr Kind ausgeruht ist – nicht direkt vor dem Mittagsschlaf.
- Genügend Zeit einplanen, damit nichts unter Druck gerät.
Häufige Fragen zum Thema
Ab welchem Alter kann ein Kind zum Augenarzt?
Ab dem ersten Lebensmonat. Die Untersuchung wird dem Alter angepasst und funktioniert auch bei Babys, die noch nicht sprechen können – Sehschärfe und Brillenstärke werden dabei spielerisch und berührungslos bestimmt.
Braucht mein Kind eine Zuweisung vom Kinderarzt?
Nein. Sie können sich direkt bei uns melden. Eine Zuweisung oder ein Bericht des Kinderarztes ist willkommen, aber keine Voraussetzung für einen Termin.
Zahlt die Krankenkasse die Untersuchung?
Ja. Augenärztliche Untersuchungen und die Sehschule sind Pflichtleistungen der obligatorischen Grundversicherung und werden nach Tarmed abgerechnet.