Schielen bei Babys erkennen

7 Min. Lesezeit · Aktualisiert 2026-08-18

Schielen ist keine Frage der Kosmetik: Wenn die Augen nicht zusammenarbeiten, unterdrückt das Gehirn das Bild des abweichenden Auges – und dieses Auge bleibt schwachsichtig. Je früher das Schielen erkannt wird, desto besser lässt sich das verhindern.

Augenarzt prüft mit einer Abdeckscheibe die Augenstellung eines Babys auf dem Schoss der Mutter

Was ist Schielen (Strabismus)?

Beim Schielen zeigen die beiden Augen nicht in dieselbe Richtung. Ein Auge fixiert das Ziel, das andere weicht nach innen, aussen, oben oder unten ab. Das Gehirn erhält zwei unterschiedliche Bilder und unterdrückt in der Folge das Bild des abweichenden Auges. Dieses Auge wird immer weniger genutzt und entwickelt eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie).

Schielen betrifft rund fünf von hundert Kindern. Es kann angeboren sein, im Kleinkindalter auftreten oder Folge einer nicht korrigierten Weitsichtigkeit sein. Manchmal steckt eine Erkrankung des Auges oder der Augenmuskeln dahinter – auch deshalb gehört jedes auffällige Schielen abgeklärt.

Ab wann ist Schielen nicht mehr normal?

In den ersten Lebenswochen sind gelegentlich abweichende Augenbewegungen normal, weil die Steuerung der Augen noch reift. Ab dem vierten Lebensmonat sollten die Augen jedoch stabil parallel stehen.

Als Faustregel gilt: Jedes Schielen, das nach dem dritten Lebensmonat noch auftritt, gehört untersucht. Ein plötzlich neu auftretendes Schielen – in jedem Alter – ist ein Fall für eine sofortige Abklärung, ebenso Schielen zusammen mit Doppelbildern, Kopfschiefhaltung oder Erbrechen.

Diese Zeichen sollten Eltern kennen

  • Ein Auge wandert nach innen oder aussen, besonders bei Müdigkeit oder Konzentration.
  • Das Baby fixiert Sie mit nur einem Auge oder wehrt sich, wenn dieses eine Auge abgedeckt wird.
  • Der Kopf wird konstant schief gehalten oder zur Seite gedreht.
  • Auf Blitzlichtfotos sitzt der Lichtreflex nicht in beiden Pupillen an derselben Stelle.
  • Das Kind kneift im Freien häufig ein Auge zu.
  • Ältere Kinder klagen über Doppelbilder oder verschwommenes Sehen.

Der Lichtreflex-Test für zu Hause

Ein einfacher Hinweis lässt sich zu Hause gewinnen: Setzen Sie sich Ihrem Kind gegenüber und leuchten Sie aus etwa einem halben Meter mit einer kleinen Lampe auf die Nasenwurzel, während das Kind zur Lampe schaut. Der kleine Lichtpunkt sollte in beiden Pupillen an genau derselben Stelle liegen – typischerweise leicht innerhalb der Pupillenmitte.

Liegt der Reflex in einem Auge deutlich verschoben, spricht das für ein Schielen. Der Test ersetzt keine Untersuchung: Kleine Schielwinkel, das sogenannte Mikroschielen, sind so nicht erkennbar, können aber trotzdem eine ausgeprägte Schwachsichtigkeit verursachen.

Scheinschielen: wenn es nur so aussieht

Viele Babys wirken schielend, obwohl die Augen korrekt stehen. Grund ist eine breite Nasenwurzel mit ausgeprägten Lidfalten, die den inneren Anteil des Augweiss verdeckt. Dieses Scheinschielen (Pseudostrabismus) verwächst sich mit dem Wachstum des Gesichts.

Von aussen lässt sich echtes Schielen von Scheinschielen nicht sicher unterscheiden – auch nicht mit dem Lichtreflex allein. Sicherheit bringt nur die orthoptische Untersuchung mit Abdecktest. Diese Abklärung ist harmlos, dauert wenige Minuten und nimmt Ihnen die Unsicherheit.

Wie wir Schielen abklären

In der Sehschule misst unsere Orthoptistin die Augenstellung mit dem Abdecktest, bestimmt den Schielwinkel, prüft die Augenbeweglichkeit und das räumliche Sehen. Anschliessend wird nach Tropfen die genaue Brillenstärke bestimmt und der Augenhintergrund beurteilt, um Erkrankungen als Ursache auszuschliessen.

Behandlung: Brille, Okklusion, Operation

An erster Stelle steht die Korrektur der Fehlsichtigkeit. Viele Formen des Einwärtsschielens verschwinden weitgehend, sobald das Kind die richtige Brille trägt.

Besteht bereits eine Schwachsichtigkeit, wird das bessere Auge stundenweise abgeklebt (Okklusion) oder mit Tropfen gebremst, damit das schwächere Auge arbeiten muss. Kontrollen in der Sehschule steuern, wie viel Abkleben nötig ist.

Bleibt ein störender Schielwinkel bestehen, kann eine Augenmuskeloperation die Stellung korrigieren. Sie wird meist erst dann geplant, wenn Brille und Okklusion ausgeschöpft sind und die Sehschärfe beider Augen stabil ist.

Häufige Fragen zum Thema

Verwächst sich Schielen von allein?

Echtes Schielen verwächst sich nicht. Nur das Scheinschielen, bei dem breite Lidfalten ein Schielen vortäuschen, verliert sich mit dem Wachstum. Deshalb sollte jedes auffällige Schielen nach dem dritten Lebensmonat untersucht werden.

Kann ein Baby schielen, ohne dass man es sieht?

Ja. Beim Mikroschielen ist der Winkel so klein, dass er von aussen nicht auffällt. Trotzdem kann das betroffene Auge deutlich schwachsichtig werden – erkannt wird es nur mit dem orthoptischen Abdecktest.

Bis zu welchem Alter ist eine Behandlung erfolgreich?

Am wirksamsten ist sie in den ersten Lebensjahren, solange die Sehentwicklung formbar ist – etwa bis zum achten Lebensjahr. Danach lässt sich eine bestehende Schwachsichtigkeit nur noch begrenzt verbessern.

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